Warum Schutzmagie sichtbare Spuren hinterlässt
Schutzsymbole gegen Hexerei im Volksglauben und in der Volksmagie zeigen, wie Angst, Verletzlichkeit und Fürsorge eine materielle Gestalt annehmen. Schutzzeichen finden sich an Türen, Feuerstellen, Kleidungsstücken, Werkzeugen und Körpern, weil man sich Gefahr häufig als etwas vorstellte, das eine Schwelle überschreitet. Der Begriff Hexenschutz kann die Abwehr schädlicher Magie bezeichnen, den Schutz von Menschen, die der Hexerei beschuldigt wurden, oder Praktiken, die Außenstehende erst später als Hexerei bezeichneten. Diese Mehrdeutigkeit interessiert mich, denn dasselbe Zeichen kann innerhalb einer Gemeinschaft wohlwollend und von außen betrachtet verdächtig wirken. In meinen Arbeiten bewegen sich wiederholte Augen, umschlossene Gesichter und gepunktete Umrandungen häufig in diesem ungewissen Raum zwischen Beschützen und Beschütztwerden.

Schutzzeichen an Schwellen und die Architektur der Abwehr
Türen, Fenster, Schornsteine und Feuerstellen wurden seit Langem mit Schutzzeichen versehen, weil sie das häusliche Innere mit der unberechenbaren Außenwelt verbinden. Eingeritzte Kreise, sich kreuzende Linien, Kreuze und labyrinthartige Formen sollten vorgestellte Bedrohungen aufhalten, verwirren oder abwehren, während Haushaltsgegenstände in der Nähe von Eingängen das Zuhause als geschützten Bereich kennzeichneten. Diese Bräuche unterschieden sich je nach Region und Epoche erheblich und sollten deshalb nicht zu einem einzigen universellen System vereinheitlicht werden. Ich kehre immer wieder zu Rahmen, Schleifen und geschlossenen Konturen zurück, weil sie Schutz als das Ziehen einer Grenze sichtbar machen, statt eine Oberfläche lediglich zu verzieren.
Eisen, Salz und die Kraft alltäglicher Materialien
Im volkstümlichen Schutzzauber wird gewöhnlichen Stoffen oft eine außergewöhnliche Aufgabe übertragen. Eisen wurde in vielen europäischen Überlieferungen gegen Feenwesen, Geister und schädliche Kräfte eingesetzt; Salz konnte reinigen, konservieren oder eine Grenze markieren; Pflanzen wurden je nach örtlichem Brauch aufgehängt, verbrannt oder bei sich getragen. Ihre Bedeutungen ergeben sich ebenso aus ihren materiellen Eigenschaften wie aus dem Glauben: Eisen ist widerstandsfähig, Salz konserviert und Kräuter tragen Duft, Jahreszeit und Erinnerung in sich. In meiner Bildsprache übersetze ich diese materielle Logik in harte Umrisslinien neben weicheren botanischen Formen. Der Kontrast lässt Schutz zugleich wehrhaft und vertraut erscheinen, wie ein Ritual aus Gegenständen, die ohnehin in greifbarer Nähe liegen. Die Rolle von Farbe und Ritual in solchen Vorstellungen erkunde ich auch in meinem Beitrag über die Symbolik der Farbe Rot in Folklore und Ritualen.

Augen, Spiegel und die Abwehr des bösen Blicks
Der gefährliche Blick begegnet uns in vielen Kulturen, auch wenn seine Bedeutungen und die Mittel zu seiner Abwehr keineswegs überall dieselben sind. Augen, spiegelnde Flächen und verspiegelte Ornamente können über Gefahren wachen, Neid zurücklenken oder feindselige Aufmerksamkeit sichtbar machen. In der europäischen Volksmagie wurden reflektierende Gegenstände und polierte Materialien auch an Fenstern oder am Körper angebracht, um schädliche Einflüsse abzuwehren. Ich verwende wiederholte Augen und gespiegelte Gesichter nicht als direkte Kopien heiliger oder regional gebundener Objekte, sondern als Strukturen eines wechselseitigen Blicks. Das Bild bleibt nicht passiv; es scheint den Betrachter wahrzunehmen und die Kraft seiner Aufmerksamkeit zurückzugeben.
Knoten, Fäden und Schutzzeichen am Körper
Knoten, Schnüre, Bänder, Stiche und gewebte Muster finden sich in Schutzbräuchen, weil das Binden symbolisch Schaden festhalten, einschließen oder unterbrechen kann. Kleidung und Schmuck sind besonders bedeutungsvolle Träger solcher Zeichen, weil sie dem Körper nahe bleiben und sich mit ihm durch den öffentlichen Raum bewegen. Schutzstickereien können zugleich familiäres Wissen, regionale Identität und Erinnerungen bewahren, sodass Abwehr und Fürsorge untrennbar werden. Spiralen, perlenartige Bordüren und miteinander verbundene Formen in meinen Arbeiten wachsen aus dieser Vorstellung von Schutz als Kontinuität. Die Linie schützt nicht, weil sie starr ist, sondern weil sie ununterbrochen bleibt.

Verborgene Gegenstände und die Heimlichkeit der Volksmagie
Schutzgegenstände wurden häufig in Wänden, unter Fußböden, in der Nähe von Schornsteinen oder unter Türschwellen verborgen. Das Verstecken schützte den Gegenstand vor Eingriffen und erlaubte es dem Ritual, ohne sichtbare Inszenierung zu wirken. Archäologische Funde wie eingemauerte Schuhe, Flaschen und mit Zeichen versehene Haushaltsgegenstände erinnern daran, dass Volksmagie oft in gewöhnliche Baupraktiken eingebettet war, statt einer theatralischen okkulten Welt anzugehören. Mich zieht diese Verborgenheit an, weil sie die Erwartung infrage stellt, jedes Symbol müsse sich selbst erklären. Verschleierte Gesichter, unterbrochene Muster und nur halb sichtbare Gefäße in meinen Arbeiten deuten an, dass Schutz davon abhängen kann, was privat bleibt.
Wie Schutzsymbole aus dem Hexenglauben in meine Kunst einfließen
Wenn ich mit Schutzsymbolen aus dem Hexenglauben arbeite, konzentriere ich mich auf die visuelle Grammatik der Abwehr: Umschließung, Wiederholung, Spiegelung, Bindung und Verbergen. Augen, botanische Formen, Gefäße, symmetrische Gesichter und kreisförmige Umrandungen können ein Bild behütet wirken lassen, ohne ein bestimmtes Ritualobjekt aus seinem kulturellen Zusammenhang heraus zu kopieren. Mich interessiert weniger die Illustration von Zaubersprüchen als das emotionale Bedürfnis dahinter – der Wunsch, Verletzlichkeit sichtbar und dadurch beherrschbar zu machen. Volksmagie wird zu einer Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie Bilder Angst aufnehmen, einen Blick erwidern und vorübergehend eine Grenze um das ziehen können, was uns wichtig ist. Auch die Symbolik des heiligen Mondes in Mythologie und Volksglauben zeigt, wie sich Schutz, Ritual und Bildsprache begegnen.